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Wer die Debatten um die medizinische Versorgung der Zukunft verfolgt, dem begegnet immer wieder ein Begriff: Telemedizin. Doch was ist damit überhaupt gemeint? Und wie nutzt es am Ende dem Patienten?
Die Innere Medizin an der Klinik Rothenburg ist eines der ersten Telemedizinzentren Herzinsuffizienz in Deutschland, das aufgrund des nachgewiesenen Bedarfes im Flächenlandkreis Ansbach von der Kassenärztlichen Vereinigung genehmigt wurde. Patienten miteiner Herzschwäche können nun durch moderne Kommunikationsmittel im Blick behalten werden.
Nicht während eines Aufenthaltes in der Klinik, sondern täglich in ihren eigenen vier Wänden.
„ SO KÖNNEN WIR DEN MEIST ÄLTEREN PATIENTEN LANGE WEGE ERSPAREN“,
sagt Privatdozent (PD) Dr. Christian Wacker, langjähriger Chefarzt und Kardiologe an der Klinik Rothenburg. „Und tatsächlich haben wir eine bessere Kontrolle über die Werte der Patienten, als es bislang der Fall war. Bei Veränderungen können wir sofort tätig werden.“
Die Herzinsuffizienz, auch Herzschwäche oder Herzmuskelschwäche genannt, ist eine Erkrankung, bei der das Herz nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper pumpt. Sauerstoff und Nährstoffe werden nur unzureichend transportiert.
DIE SCHWÄCHUNG DES HERZENS KANN UNTERSCHIEDLICHE URSACHEN HABEN.
Verkalkte Herzkranzgefäße oder auch ein dauerhafter Bluthochdruck kommen infrage. Die häufigste Ursache ist ein überlebter Herzinfarkt. Der Herzmuskel ist dabei unterversorgt und nimmt dauerhaft Schaden.
Wenig bekannt ist, dass Herzinsuffizienz zu den häufigsten Diagnosen für eine Krankenhauseinweisung gehört. Unbehandelt haben die Patienten eine deutlich schlechtere Prognose als bei den meisten Krebserkrankungen.
Helga Hauck ist eine der ersten Patientinnen, die von der neuen Technik profitieren. Im Juni 2025 wird ihr im Herzkatheterlabor der Klinik Rothenburg ein Herzschrittmacher eingesetzt. Der Routineeingriff verläuft planmäßig und auch die Kontrollen in den Tagen danach zeigen keine Auffälligkeiten.
Helga Hauck ist 82 Jahre alt und wird zu Hause gebraucht. Sie wirkt erleichtert, als Dr. Christian Wacker ihrer Entlassung aus der Klinik zustimmt. Zuvor erklären ihr speziell geschulte Pflegende, wie sie ihre eigenen Messwerte erhebt und einmal täglich überträgt. In Rothenburg gibt es sechs Pflegekräfte, die eine entsprechende Weiterbildung gemacht haben.
Larissa Zengel und Jennifer Förster nehmen sich Zeit bei der Einführung, denn Helga Hauck ist mit den Kommunikationsmitteln des digitalen Zeitalters nicht vertraut. Wie viele Menschen ihrer Generation besitzt sie weder eine E-Mail-Adresse noch ein Handy.
Helga Hauck benötigt eine elektronische Waage, ein Blutdruck- und EKG-Messgerät und ein smartphoneähnliches Gerät, das die Messwerte überträgt. Alles bekommt sie von der Klinik mit nach Hause.
Außerdem werden täglich die Daten des Herzschrittmachers übertragen.
„ WENN ES ZU UNREGELMÄSSIGKEITEN KOMMT, ERHALTE ICH AUTOMATISCH EINE MELDUNG“,
sagt Dr. Christian Wacker. „Dann können wir hier direkt über die weitere Behandlung entscheiden. Auch in Verbindung mit den Gewichts- und Blutdruckangaben, die von unseren Pflegenden ausgewertet werden. Anschließend können wir umgehend die Patienten sowie den betreuenden Hausarzt
informieren. So können Therapieanpassungen zusammen besprochen werden, ohne dass ein Extratermin in der Hausarztpraxis nötig wird.
Die Datenübertragung ermöglicht also eine virtuelle Sprechstunde, die täglich stattfindet, ohne dass der Patient vorstellig werden muss. Und wenn doch, dann geschieht es ohne Zeitverlust.
SO ARBEITET DIE DIGITALE TECHNIK FÜR UND MIT DEN PATIENTEN. TELEMEDIZIN EBEN.