InhaltFußzeile
ANgesicht Magazin

NEUE ZEIT

Man kann es nicht leugnen. Wer heute auf das Klinikum Ansbach zugeht, sieht kein architektonisches Juwel. Die Gebäude sind schlicht gehalten, der rohe Beton wirkt abschreckend. Das Amt für Denkmalschutz wird hier kaum vor-stellig werden.

Das war nicht immer so. Vor einem halben Jahrhundert galt diese Architektur als Aufbruch in die Moderne. Auch Sieglinde Denzer würde das unterschreiben. Allerdings machten in ihrem Fall die inneren Werte den Unterschied.

Als Pflegevorschülerin teilte sie sich Mitte der 1970er Jahre ein kleines Wohnheimzimmer mit einer weiteren Schülerin. Dort gab es ein eigenes Bad mit Toilette und Dusche. Mit fließend Warmwasser, zu jeder Uhrzeit. Nur für diese beiden jungen Frauen.

SIE VERFÜGTEN ALSO ÜBER ETWAS, DAS NICHT SELBSTVERSTÄNDLICH WAR: PRIVATSPHÄRE.

Sieglinde Denzer wuchs auf einem Bauernhof auf. Sanitäre Anlagen hatten damals im ländlichen Bereich noch eher traditionellen Charakter. Ein Bad fast für sie allein war sie nicht gewohnt. So ging es vielen damals. Das Wohnheimzimmer bildete einen kleinen persönlichen Aufbruch in eine neue Zeit.

Heute sind im Wohnheimgebäude überwiegend Büros untergebracht. Die kleinen Bäder gibt es immer noch. Und obwohl in die Jahre gekommen, werden sie vor allem von Mitarbeiterinnen weiterhin sehr geschätzt. Es geht eben nichts über ein wenig Privatsphäre.