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ANgesicht Magazin

LANGER ATEM

Vor gut 40 Jahren wird der Gymnasiast Schölzel angesprochen, als er neben seinem Handballtraining gerade das Sportabzeichen macht. Ob er sich vorstellen könnte, Leichtathletik zu trainieren. Seine langen Arme und Beine seien für den Sport ideal geeignet.

Wer auch immer den jungen Mann damals südlich von Ulm aus der Masse an Schülern herauspickte, bewies ein gutes Auge. Denn nur wenig später wird Stephan Schölzel mit 16 Jahren bayerischer Meister in seiner Altersklasse über die 400 Meter Hürden.

400 Meter Hürden sind eine brutale Distanz. Es braucht Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer, um vorne bei der Musik zu sein. Wer als erster Läufer auf die finalen 100 Meter einbiegt, siegt nicht automatisch. Denn spätestens hier brennen die Muskeln, die Lunge ebenso. Man läuft wie auf Autopilot. „Die letzten 100 Meter waren meist meine stärksten“, sagt Stephan Schölzel (51) mit einem fast verlegenen Lächeln.

Trifft man den Allgemeinchirurgen zur Mittagszeit in der Klinik Rothenburg, macht er nicht den Eindruck, schon den ganzen Morgen im OP gestanden zu haben.

VON SEINEN AUGEN ABGESEHEN,IST IHM KEINE MÜDIGKEIT ANZUMERKEN.

Und in 45 Minuten operiert er noch eine weitere Gallenblase. Etwas zu essen? Einen Kaffee vielleicht? „Nein danke, ich brauche nichts“, sagt Schölzel freundlich. Stehvermögen eben.

Apropos freundlich.

WER MIT STEPHAN SCHÖLZEL DURCH DIE KLINIK ROTHENBURG GEHT, BEKOMMT STÄNDIG POSITIVES ZU HÖREN.

Und zwar weit über das kollegial höfliche Maß hinaus. Eine Geschichte im Magazin ANgesicht? „Die hat er sich verdient“, sagt eine Pflegende spontan. Eine ärztliche Kollegin stellt anerkennend fest, dass er bei einem Patienten mit seiner Diagnose am Vortag genau richtig gelegen habe. „Das sollten Sie auch schreiben“, sagt die Ärztin. Und in der Endoskopie ist das Urteil der Pflegenden einstimmig:

„DEN GEBEN WIR NICHT MEHR HER.“

So viel Lob ist ein bisschen unheimlich. Stephan Schölzel quittiert es mit einem zurückhaltenden Lächeln. „Ist natürlich schön, wenn man so etwas hört“, sagt er. Der Allgemeinchirurg gehört nicht zu den großen Geschichtenerzählern, die einem ungefragt die Welt erklären.

ER IST EHER EIN STILLER TYP, DER JEDOCH VIEL ERZÄHLEN KÖNNTE.

Zum Beispiel von seiner zweiten Heimat, dem Schweizer Wallis. Stephan Schölzel wurde in Zürich geboren und fand nach dem Leistungssport schnell zum Bergsteigen – im hochalpinen Gelände, Klettersteige inklusive. Der Leistungsgedanke ist auch hier immer präsent. Es wundert daher nicht, dass er im Wallis alle 4000er-Berge in seiner Gipfelsammlung hat.

Und wenn er etwas macht, dann richtig. Schölzel ist ausgebildeter Hochtourenführer und hat früher im Urlaub für die Ulmer Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) Gruppen durch die Berge geführt. Ruhig, freundlich, kein unnötiges Risiko eingehend – so wünscht man sich einen Bergführer. Und einen Operateur.

Heute lässt er es ruhiger angehen und nimmt nur noch privat kleine Gruppen mit in die Alpen.

Im Operationssaal steht er an diesem Morgen mit Assistenzärztin Elizabeth Hirschmann (ANgesicht 04) „am Tisch“. So nennen die Mediziner der schneidenden Fächer den Ort, über den sie sich am meisten definieren. Ein Leistenbruch steht an. Der Eingriff wird laparoskopisch durchgeführt, also ohne einen großen Schnitt, der später unschöne Narben mit sich bringen würde. Laparoskopie wird umgangssprachlich auch als Schlüssellochchirurgie bezeichnet, weil die Operateure nur drei sehr kleine Zugänge benötigen, um den Eingriff durchzuführen. Entsprechend wenig Spuren hinterlässt die OP.

Laparoskopie ist für Laien eine abstrakte Tätigkeit. Die Hände des Operateurs sind außerhalb des Körpers, in dem er operiert. Und man sieht alles nur auf einem Flachbildschirm am Fußende des Patienten. Wer Stephan Schölzel und Elizabeth Hirschmann dabei zuschaut, glaubt, es sei ein Kinderspiel.

TATSÄCHLICH BRAUCHT ES JAHRE, UM DIESE OP-METHODE ZU BEHERRSCHEN.

Entsprechend vertraut mit der Situation wirkt das ganze OP-Team, das neben den beiden Operateuren aus einer Operationstechnischen Assistentin (OTA) und einer sogenannten OP-Springerin besteht, die im nichtsterilen Bereich des OP-Saals tätig ist. Dazu kommen der Anästhesist und ein Anästhesiepfleger. Und nicht zu vergessen die Reinigungskraft, die nach jeder OP den Saal reinigt.

Bei Elizabeth Hirschmann (32) kann Stephan Schölzel übrigens das Lob mal zurückgeben. „ Sehr zuverlässig, sehr gewissenhaft“, sagt der Oberarzt über die Assistenzärztin.

„MAN MUSS BEI IHR NICHT NACHHAKEN, DA PASST IMMER ALLES. UND DAS IST KEINE SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT.“

Für ihre Facharztreife muss Elizabeth Hirschmann die Klinik Rothenburg noch einmal verlassen. So lautet die Vorgabe. „Ich hoffe sehr, dass sie danach wieder zurückkehrt.“

Stephan Schölzels Tag ist eng getaktet. Entweder steht er im OP oder nimmt Endoskopien vor oder hält Sprechstunde. Dazu kommen noch die Visiten bei den Patienten.

ES KANN AUCH SEIN, DASS DIE EINE TÄTIGKEIT IN DIE ANDERE ÜBERGEHT.

Flexibilität im Kopf ist eine Grundvoraussetzung für den Job. Gerade wenn ein Notfall eingeliefert wird.

Bezeichnend für ihn ist ein Ritual am Abend. Wenn er mit seinem Sohn (er hat noch zwei weitere Kinder) im TV eine Serie schaut, baut er nebenher noch einen Sportwagen von Lego Technic zusammen. Man könnte sagen: Das ist jetzt so ein Männerding. Aber es steckt wohl mehr dahinter.

Einfach nur Fernsehen lastet Stephan Schölzel nicht aus. Auch nicht am Abend.

DA MUSS NOCH MEHR IM KOPF PASSIEREN.

Weitere Informationen

Stephan Schölzel (Oberarzt) & MUDr. Petr Skala (Chefarzt)

Allgemein- und Viszeralchirurgie, Klinik Rothenburg

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