ANgesicht

MAGAZIN AUSGABE 08

Dann wär’s rum gewesen



ALS WOLFGANG BINDERS HERZ NICHT MEHR SCHLÄGT, IST DER NOTRUF DOPPELT WICHTIG.



Später, manchmal viel später, fragen sich Menschen, wie sie die Ruhe bewahren konnten. Obwohl alles urplötzlich passierte. Als die Person dalag, ohne Atmung, ohne Puls. Nicht ansprechbar, wie der Fachmann sagt.

Und etwas passieren musste. Nicht gleich, sondern unmittelbar jetzt. Wie sie loslegten, obwohl sie noch nie in so einer Situation waren. Und dann einfach funktionierten, denn Nichtstun hätte den sicheren Tod bedeutet. Von solchen Menschen handelt diese Geschichte.

Es ist der 21. November 2021, ein Sonntag. Wolfgang Binder fühlt sich nachmittags nicht wohl und verzichtet auf Kaffee und Kuchen. Er geht um die Ecke ins Wohnzimmer und legt sich auf die Couch. Der 66-Jährige klagt nicht, er stöhnt nicht mal auf. Doch seine Frau hat nach ein paar Augenblicken kein gutes Gefühl und schaut nach ihm. Da schlägt sein Herz schon nicht mehr.

Sein Sohn Bernd ist zum Kaffee vorbeigekommen.

ER LÄUFT INS WOHNZIMMER UND SIEHT SEINEN LEBLOSEN VATER.



„Ab dem Moment habe ich innerlich umgeschaltet“, erinnert sich der 42-Jährige, von Beruf Zimmerer. Emotionen aus, Verstand an.

Er sagt seiner Mutter, sie solle die 112 wählen. Um 15.26 Uhr leuchtet die Nummer der Binders in der Integrierten Leitstelle Ansbach auf. Hier laufen alle Notrufe aus den Kreisen Ansbach, Neustadt/ Aisch-Bad Windsheim und der Stadt Ansbach auf. Keine Leitstelle in Bayern deckt eine ähnlich große Fläche ab. Patrik Graf ist erst seit einem halben Jahr hier Disponent. Doch das ist der Ort, an dem er immer arbeiten wollte.

Es ist Zufall, dass er als einer von sechs Disponenten im Raum den Notruf der Binders entgegennimmt. Doch dann wiederum gibt es keine Zufälle. Und Patrik Graf werden die kommenden sechs Minuten im Gedächtnis bleiben.


„AB DEM MOMENT HABE ICH INNERLICH UMGESCHALTET.“ EMOTIONEN AUS, VERSTAND AN.



Der Vater vor einem liegend, dem Tod näher als dem Leben – der Situation fehlte es nicht an Dramatik. Doch Disponent Graf erinnert sich an ein nahezu „sachliches Telefonat“ mit Bernd Binder. Die ersten Informationen kommen schnell und präzise.

Die Binders wohnen in Gunzendorf, auf halber Strecke zwischen Colmberg und Rothenburg an der Staatsstraße 2250 gelegen. Patrik Graf erkennt auf seinen Bildschirmen einen Rettungswagen des Bayerischen Roten Kreuzes, der gerade auf dem Rückweg von Ansbach nach Rothenburg ist. Die Besatzung ist gut vier Minuten von Gunzendorf entfernt, ihre Route führt sie direkt am Einsatzort vorbei. Graf alarmiert das Fahrzeug und schickt die Adresse auf das Navigationsgerät, wo sie automatisch angezeigt wird. Die Rotkreuzler geben Gas. Zeitgleich erhält der Rothenburger Notarzt ebenfalls die Alarmierung.

Was nun folgt, ist die Königsdisziplin für einen Leitstellen-Disponenten.

Patrik Graf führt Bernd Binder durch eine Telefon-Reanimation. Der Disponent stellt gezielte Fragen und kommt so zur Diagnose Herzinfarkt. Er muss jetzt um jeden Preis Ruhe ausstrahlen, denn sein Gegenüber ist in einer absoluten Ausnahmesituation. Hektik kann jetzt ein Leben kosten.

Helfen, die Schockstarre zu überwinden; Mut machen, seinen Anweisungen zu folgen. Das sind die Aufgaben von Patrik Graf. „Ich versuche mir das Szenario beim Anrufer vorzustellen“, sagt Graf. Das hilft ihm, die richtigen Worte zu finden. Es ist ein telefonischer Drahtseilakt ohne Sicherheitsnetz.

Doch Bernd Binder arbeitet einfach ab, was der Disponent ihm aufträgt. Er zieht seinen Vater von der Couch, um einen harten Untergrund zu haben. Er macht den Oberkörper frei, setzt die Handballen etwa mittig auf dem Brustkorb an und beginnt kräftig zu drücken.

Um den Herzmuskel zu stimulieren, muss der Oberkörper zentimetertief und in einem schnellen Rhythmus eingedrückt werden. Auf einem von Patrik Grafs Bildschirmen pocht ein rotes Herz, mit dem er die Frequenz vorgibt. Und Bernd Binder drückt.

Richtig ausgeführt, ist eine Reanimation ein fast aggressives Manöver gegen den Körper eines anderen Menschen. Es kostet Überwindung, sehr viel Kraft und muss lange fortgeführt werden. Allein kommt man schnell an seine Grenzen. Nach drei Minuten trifft der Rettungswagen ein.

EINE TELEFON-REANIMATION IST DIE KÖNIGSDISZIPLIN FÜR LEITSTELLEN-DISPONENTEN.



Sandra Schmidt ist Bernd Binders Schwester und seit 2009 OP-Schwester in der Klinik Rothenburg. Sie wohnt in Colmberg und ist an diesem Sonntag deutlich schneller als üblich in Gunzendorf. Die Szenerie im Wohnzimmer schockiert sie für den Bruchteil einer Sekunde. Und dann schaltet auch sie um.

Sandra Schmidt wirft ihre Jacke in die Ecke und sagt einem der Rettungsassistenten, sie könne ihn bei der Reanimation ablösen. Der schaut erst überrascht, merkt aber schnell, dass hier jemand mit Fachkenntnissen eingetroffen ist.



„Mein einziger Gedanke war: Was hat der Max gesagt, was hat der Max gesagt?“,



erinnert sich Sandra Schmidt.

Gemeint ist Max Hörner, Leiter der Anästhesiepflege an der Klinik Rothenburg und ohne Übertreibung eine Institution. Zu sagen, er kenne halb Rothenburg, wäre glatt gelogen. Max Hörner kennt ganz Rothenburg. Und ganz Rothenburg kennt Max Hörner.

Als er im Oktober 1978 seine Ausbildung beginnt, gibt es an der Klinik noch nicht mal einen Anästhesisten. Der wird erst ein Jahr später eingestellt. Bis dahin machen die Operateure die Narkose nebenher mit.

Max Hörner wird medizinisch in einer Zeit groß, in der es weniger Regulierungen und mehr Improvisation gibt.

„Ich habe eine Ausbildung in einer Breite bekommen, die es so nicht mehr gibt“,



sagt Hörner. Es waren andere Zeiten.

Doch eines hat sich nicht verändert. „Wenn Not am Mann ist, kann man immer den Max anrufen. Egal zu welcher Uhrzeit“, sagt Sandra Schmidt, die im OP nur „Schmiddi“ genannt wird.



„Er lässt die Kollegen nie hängen. Und er geht super mit den Patienten um.“



Für Max Hörner ist Wolfgang Binder ein Paradebeispiel – und eine Genugtuung. Seit Jahren ist er der Beauftragte für Notfallschulungen der Klinik, insbesondere des Reanimationstrainings. Einmal jährlich muss das medizinische Personal den Kurs absolvieren.

JE ÖFTER MAN DIE SCHRITTE DURCHGEHT, DESTO MEHR BLEIBT HÄNGEN.



Und dann klappt es auch mit dem Hörner’schen Motto: „Nicht nachdenken, einfach Informationen abrufen.“ Genau das hat Sandra Schmidt gemacht.

Als der Rettungswagen in Gunzendorf eintrifft, beendet Patrik Graf das Telefonat. Es ist eine ungeschriebene Regel in der Leitstelle Ansbach, nach einer Telefonreanimation erstmal Pause zu machen.

GRAF GEHT VOR DIE TÜR UND ATMET DURCH.



Er weiß nicht, ob die Reanimation erfolgreich war. Doch ein paar Minuten später hört er im Funk, dass Wolfgang Binder „mit Kreislauf“ auf dem Weg in die Klinik Rothenburg ist. Das Herz schlägt wieder.



„NICHT NACHDENKEN, EINFACH INFORMATIONEN ABRUFEN.“



Max Hörner, langjähriger Leiter der Anästhesiepflege an der Klinik Rothenburg.





„WAS HAT DER MAX GESAGT, WAS HAT DER MAX GESAGT?“



Sandra „Schmiddi“ Schmidt, seit 2009 OP-Schwester an der Klinik Rothenburg.

BINDERS ZUSTAND IST SO KRITISCH, DASS ER DIREKT AUS DEM RETTUNGSWAGEN ZU DR. WACKER KOMMT.



Zur gleichen Zeit macht sich Privatdozent Dr. Christian Wacker mit seinem Team bereit. Der Rothenburger Chefarzt der Inneren Medizin ist interventioneller Kardiologe und hat an diesem Sonntag Bereitschaft. Im Herzkatheterlabor muss er die Blockade am Herzen lösen. Wackers Job findet unter Hochdruck statt. Kommt er nicht schnell genug voran, wird Wolfgang Binder den Tag nicht überleben. Doch der 54-Jährige liefert zuverlässig.

Wolfgang Binder erwacht nach zehn Tagen aus dem Koma und will sofort aufstehen. Neun Monate nach seinem Herzstillstand macht er mit Freunden eine Motorradtour durch die Alpen.

Patrik Graf sagt, der 21. November 2021 mache ihn ein bisschen stolz. Zu Recht, denn der 33-Jährige kennt die andere Seite der Medaille. Als er dieses Frühjahr versucht, die Mutter eines sechs Monate alten Babys durch die Reanimation zu führen, kann er nichts mehr ausrichten. Plötzlicher Kindstod. Seine Pause nach diesem Notruf dauert etwas länger. Max Hörner geht diesen Herbst nach 44 Berufsjahren in den Ruhestand.

„Das ist der Tag, an dem ich erstmal weinen werde“,

sagt Sandra Schmidt und lacht dabei.

Weder Max Hörner noch Patrik Graf noch Bernd Binder kennen einander persönlich. Sandra Schmidt hat wiederum noch nie mit Patrik Graf gesprochen. Und Dr. Christian Wacker kennt auch nicht alle.

ABER EINES HABEN SIE GEMEINSAM: DAS LEBEN VON WOLFGANG BINDER GERETTET ZU HABEN.



Privatdozent (PD) Dr. Christian Wacker im Herzkatheterlabor. Er leitet seit 2006 die Innere Medizin an der Klinik Rothenburg.





PD Dr. Christian Wacker
Chefarzt

Abteilung für Innere Medizin
Klinik Rothenburg


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GLÜCK
MIT 83

DIE THERAPIE BEGINNT WENIGER ALS EINE STUNDE NACH DEM NOTRUF.



Als Friedrich Schneider beginnt vom Leben zu erzählen, ist es sein fünfter Tag in der Klinik Dinkelsbühl. Die Aussprache ist noch verwaschen, er nuschelt ein wenig. Aber am offenen Fenster kann er die Maske mal kurz abnehmen, dann wird es besser.

Das Leben, sein Leben, hätte Ende August ein anderes sein können.

Friedrich Schneider liest in der Sommerhitze reife Äpfel von einer trockenen Wiese auf. Sein Gesicht ist vom Alter und vom Wetter gegerbt, doch er sieht deutlich jünger als 83 Jahre aus. Die Arme sind braungebrannt, die Beine weiterhin kräftig. Er kann bedenkenlos kurze Hosen und ärmellose T-Shirts tragen.

Das Land, auf dem die Obstbäume stehen, gehört Schneider. Und ihm liegt daran, es in Ordnung zu halten. Doch irgendwann an diesem Vormittag beginnen seine Arme zu schlackern.



„Ich hatte keine Kontrolle mehr“,



sagt Schneider. Seine Lebensgefährtin, die ihm auf dem Grundstück hilft, reagiert sofort und informiert seine Tochter, die den Rettungsdienst ruft. Mit Verdacht auf einen Schlaganfall wird er in die Notaufnahme der Klinik Dinkelsbühl eingeliefert.

Neben dem Klinikum Ansbach befindet sich dort eine sogenannte Stroke-Unit, ein auf Schlaganfälle spezialisiertes Team aus Medizinern und Pflegenden. Ein Neurologe begutachtet Schneider direkt beim Eintreffen in der Notaufnahme und begleitet ihn gleich weiter zum Computertomographen (CT) den Flur hinunter, um eine Aufnahme seines Gehirns machen zu lassen.



EIN SCHLAGANFALL WIRD NAHEZU IMMER DURCH EIN GERINNSEL IN EINEM BLUTGEFÄSS DES GEHIRNS VERURSACHT.



Dem wird medikamentös mit blutverdünnenden Mitteln entgegengewirkt. Doch die Mediziner müssen sicher sein, dass es sich nicht um ein verletztes Gefäß handelt, aus dem Blut in den Schädel austritt. In dem Fall würde die Blutverdünnung den Zustand des Patienten noch verschlimmern. Ein CT-Bild, innerhalb von Minuten erstellt, bringt Klarheit. Es handelt sich bei Friedrich Schneider um eine verstopfte Blutbahn.

Sofort wird bei ihm mit einer Lyse-Therapie begonnen, die das Blutgerinnsel auflösen soll. Zu diesem Zeitpunkt ist Schneider gerade mal 20 Minuten in der Klinik Dinkelsbühl, der Notruf ist weniger als eine Stunde her.

„Das ist eine nahezu optimale Zeit,

gerade hier im ländlichen Bereich“, sagt Matthias Kuhfus, Sektionsleiter und Facharzt für Neurologie in Dinkelsbühl. „Je schneller der Patient bei uns ist, desto höher die Chancen auf ein gutes Outcome.“ So nennen Mediziner das Behandlungsergebnis eines Patienten. Erreicht der Patient innerhalb von 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall eine Stroke-Unit, stehen die Chancen gut, dass die Lyse-Therapie anschlägt. Doch oft warten die Menschen zu lange, bevor sie einen Hausarzt sehen oder auch direkt in die Klinik kommen. „Ist nicht so schlimm, das wird schon wieder. Morgen ist es sicher besser.

DIESE EINSCHÄTZUNG KANN ERHEBLICHE FOLGEN HABEN.



Ein CT-Scan zeigt minutenschnell, ob es sich um ein Blutgerinnsel oder eine Verletzung der Blutbahn handelt.





Sieben Tage nach dem Schlaganfall kann Friedrich Schneider bei einem Kontroll-CT schon wieder flugs die Beine anheben.

„JE SCHNELLER DER PATIENT BEI UNS IST, DESTO HÖHER DIE CHANCEN AUF EIN GUTES OUTCOME.“



Bei plötzlich auftretenden starken Kopfschmerzen, Seh- oder Sprachstörungen, Schwindel, Lähmungen oder Taubheitsgefühlen sollte sofort der Rettungsdienst verständigt werden.

„Auf gar keinen Fall abwarten“,

sagt Chefarzt PD Dr. Matthias Elstner, der als Leiter der Klinik für Neurologie am Klinikum Ansbach auch für Dinkelsbühl zuständig ist:

„Jede Stunde, in der ein Schlaganfall nicht behandelt wird, ist eine verlorene Stunde.

Und die können wir später nicht mehr reinholen.“

Da der Landkreis Ansbach fast so viel Fläche wie das Saarland hat, ergeben sich besondere Herausforderungen für die akute Patientenversorgung. Daher werden sowohl an der Klinik Dinkelsbühl als auch am Klinikum Ansbach Stroke-Units rund um die Uhr betrieben. Denn Zeit ist der alles entscheidende Faktor.

In der Neurologie gilt der Grundsatz:



„TIME IS BRAIN“ – ZEIT GLEICH GEHIRN,



frei übersetzt. Soll heißen: Je länger das Gehirn durch eine Blockade nicht mit sauerstoffreichem Blut versorgt wird, desto mehr Zellen sterben unwiederbringlich ab. Je schneller das Gefäß wieder frei ist, desto größer die Heilungschancen.

Als Friedrich Schneider in die Notaufnahme eingeliefert wird, kann er kaum sprechen und nicht selbstständig gehen. Auch die Koordination der Augen fällt ihm schwer. Die Lyse-Therapie verträgt er jedoch gut, was nicht immer gegeben ist. Um seinen Zustand lückenlos zu überwachen, wird er auf die Stroke-Unit verlegt. Pflegende mit einer Weiterbildung speziell für Schlaganfallpatienten haben ihn dort im Blick. Die Überwachungsapparate, das Monitoring, schlägt Alarm, falls sich seine Werte verschlechtern.



ES IST MEDIZINISCH EINER DER SICHERSTEN ORTE DER KLINIK.



Mittendrin: Sektionsleiter Neurologie Matthias Kuhfus (auch links), umrahmt von einigen Pflegenden an der Stationswand in Dinkelsbühl.

NACH EINER WOCHE SPRICHT ER SCHON FAST WIE FRÜHER.



Friedrich Schneiders Zustand wird dort immer besser. Nach drei Tagen kommt er auf die neurologische Station.

SEIN GANG IST NOCH ETWAS UNSICHER, DOCH DIE KRAFT UND DAS GLEICHGEWICHT KOMMEN ZURÜCK.

Als er noch einmal zur Kontrolle einen CT-Scan bekommt, kann er beide Beine in liegender Position problemlos anheben, um ein Polster darunterzulegen. Das radiologische Personal staunt.

Es ist Ende August noch warm und das Fenster des Krankenzimmers steht weit offen. Friedrich Schneider erzählt, wie er vor gut 50 Jahren eine Entscheidung fällt. 20 Jahre hatte er da als Stahlschlosser für ein Unternehmen in Crailsheim gearbeitet, als ihm eine Position als Feuerwehrmann im Bundeswehr-Depot angeboten wird. Schneider ist hin und her gerissen. Soll er nach all den Jahren den Wechsel wagen?

Die Entscheidung fällt für die Bundeswehr. Und war am Ende goldrichtig, denn ein Jahr später geht sein vorheriger Arbeitgeber in Konkurs. Alles richtig gemacht, denkt Schneider.

Wiederum 20 Jahre später schließt nach dem Ende des Kalten Krieges das Depot. Doch da kann er schon in den Vorruhestand gehen.



„Noch ein bisschen was vom Leben haben“,



sagt Friedrich Schneider. Und schmunzelt, als er die Anekdote erzählt.

Im August 2022 haben seine Tochter und die Lebensgefährtin die richtige Entscheidung für ihn getroffen. Sie warteten nicht ab, als er seine Arme nicht mehr unter Kontrolle hatte.

SIE WÄHLTEN DEN NOTRUF. UND HABEN IHM DAMIT DAS LEBEN GERETTET.



Als Friedrich Schneider die Klinik Dinkelsbühl nach einer Woche verlässt, macht er sich Gedanken über das Stück Land mit den Obstbäumen. Er überlegt, es zu verkaufen.

„Eine Sorge weniger“,



sagt Schneider.



Privatdozent (PD) Dr. Matthias Elstner ist Chefarzt der Klinik für Neurologie an den Kliniken Ansbach und Dinkelsbühl.





PD Dr. Matthias Elstner
Chefarzt

Klinik für Neurologie
Kliniken Ansbach und Dinkelsbühl


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Den hat mir Gott geschickt



ALS BERNHARD BOGON EINGELIEFERT WIRD, IST DIE PROGNOSE KATASTROPHAL. DOCH ER FINDET EINEN VERBÜNDETEN.



Zur Wahrheit der Krankenhausmedizin gehört, dass nicht alle Patienten komplett gesund nach Hause gehen. Manche tun es gar nicht mehr. Und bei Bernhard Bogon sieht es so aus, als würde er zur letzteren Kategorie gehören. Seine Bauchspeicheldrüse ist stark entzündet, die Komplikationen erheblich. Und Bogons 83 Lebensjahre spielen den Medizinern nicht in die Karten.



IHRE ERFAHRUNGSWERTE SAGEN, DASS MAN SO ETWAS KAUM ÜBERLEBT.



Als er die erste Nacht auf der Intensivstation übersteht, horcht Dr. Thomas Leimbach auf. Der Chefarzt der Gastroenterologie und Diabetologie am Klinikum Ansbach hatte Bogon am Vortag untersucht. Und ehrlicherweise befürchtet, ihn nicht wiederzusehen.

So wird an diesem Morgen im Herbst 2021 aus beiden Männern eine Gemeinschaft. Denn Bernhard Bogon hält durch, Tag für Tag. Und Dr. Leimbach gibt nicht auf. „Den hat mir Gott geschickt“, wird der Patient später über seinen Arzt sagen.

Alles beginnt mit plötzlicher Übelkeit zu Hause in Dinkelsbühl. Bogon muss sich zweimal übergeben und hat einen aufgeblähten Bauch. „Ich kam gerade vom Einkaufen und hatte vorher keinerlei Schmerzen“, sagt Bogon. Auch sonst ist er mit Gesundheit gesegnet. Bis zum 55. Lebensjahr spielt er noch im Verein Fußball. Meist als Rechtsaußen, manchmal auch im Mittelfeld.

Sein Hausarzt Dr. Frank Friedrich macht gerade Hausbesuche in der Nachbarschaft und kommt vorbei. 20 Minuten später wird Bogon schon in die Klinik Dinkelsbühl eingeliefert.



NACH EINER ERSTEN DIAGNOSE GEHT ES WEITER INS KLINIKUM ANSBACH.

BERNHARD BOGON HÄLT DURCH, TAG FÜR TAG. UND DR. THOMAS LEIMBACH GIBT NICHT AUF.

Dort erkennt Dr. Thomas Leimbach einen Stein im Gallengang, der den Abfluss der Gallenflüssigkeit verhindert. Dadurch hat sich die Bauchspeicheldrüse entzündet, was zu weiteren Komplikationen im Körper führt.

Circa 80 Prozent aller Patienten mit einer derartigen Entzündung haben es nach etwa ein bis zwei Wochen überstanden. Doch Bernhard Bogon gehört zu den restlichen 20 Prozent.

An seiner Bauchspeicheldrüse bilden sich Zysten, die im Laufe der Zeit absterben. Das infektiöse Gewebe muss regelmäßig aus dem Körper entfernt werden, sonst kann es auf andere Organe übergreifen. Für Bernhard Bogon bedeutet das, alle zwei bis drei Tage einen unangenehmen Eingriff vornehmen zu lassen, der einer Magenspiegelung ähnelt.

Dafür erhält der Patient jedes Mal eine Sedierung und muss nüchtern sein. Für einen jungen Menschen ist das schon eine erhebliche Belastung. Für Bernhard Bogon ist es eine regelrechte Tortur.

Eine entzündete Bauchspeicheldrüse führt oft zu einem Flüssigkeitsmangel, was auch hier der Fall ist. Daher werden Bogon zwischen drei und vier Liter täglich zugeführt, die sich teils im Körper ablagern.

„Vor der Entzündung habe ich immer um die 80 Kilo gewogen. In der Klinik waren es dann 94 Kilo“, sagt Bernhard Bogon.

„Es ist bemerkenswert, wie er das durchgestanden hat“, erinnert sich Dr. Thomas Leimbach. Sein Team muss einen professionellen Blick auf den Patienten wahren, der Empathie aber nicht ausschließt.



„Wir haben hier alle mitgelitten“,



sagt Dr. Leimbach. Und Bernhard Bogon hält weiter durch.

„HERR BOGON IST DER GRUND, WARUM WIR ALLE HIER DIESEN JOB MACHEN“, SAGT DR. LEIMBACH.





Einen großen Anteil daran hat seine Familie. „Eine der drei Töchter war immer da, sie haben sich ganz arg um ihn gekümmert“, erinnert sich Dr. Carmen Kremmel, Assistenzärztin der Gastroenterologie, die Bernhard Bogon lange begleitet.

Das Motiv unserer Pflegenden Tamara, Lucy und Lena entstand während einer dokumentarischen Begleitung auf der Station D4 im Klinikum Ansbach. Es zeigt die Übergabe von der Früh- an die Spätschicht. Ohne Make-up, ohne Studioblitz und gänzlich ohne Einflussnahme.

„Er wurde wirklich umsorgt, die Familie hat viel geleistet.“



Damit sich die Bauchspeicheldrüse erholen kann, muss auf feste Nahrung verzichtet werden. Und Bernhard Bogon hat eh keinen Appetit. Also bekommt er von seinen Töchtern hausgemachte Suppen gebracht. Zwei, drei Löffel pro Tag, mehr schafft er nicht. Doch es ist ein Anfang.

Über Weihnachten 2021 kann er nach Hause, doch seine Blutwerte sind weiterhin so schlecht, dass er in die Klinik zurückkehren muss.

„Er hat wirklich gelitten“,



sagt Dr. Carmen Kremmel. „Aber er hat es an keinem von uns ausgelassen. Er war immer freundlich, immer geduldig.“ Ein Musterpatient.

Ende Februar ist sein Zustand so stabil, dass er endlich nach Hause kann. Sein Glück – neben seiner Frau – ist der Heimtrainer. „Am Anfang war ich so schwach, dass ich keine drei Minuten geschafft habe“, sagt Bogon. Durch das lange Liegen haben sich die Beinmuskeln zurückgebildet. Doch ihn packt der Ehrgeiz. Jeden Tag macht er eisern eine Trainingseinheit.

Im Mai 2022 strampelt er schon 20 Minuten am Stück im Wohnzimmer. „Jetzt geht es aufwärts“, sagt Bogon damals. Im Spätsommer läuft er ohne Mühe durch die Dinkelsbühler Innenstadt.

Im Klinikum Ansbach bleibt Bernhard Bogon in guter Erinnerung.

VOR ALLEM, WEIL ER NICHT RESIGNIERT HAT,

trotz der Umstände.

Über den Hinweis, er sei seinem Patienten von Gott geschickt worden, muss Dr. Thomas Leimbach schmunzeln. Er weiß, wie es gemeint ist. Und sieht es als Kompliment an seine ganze Abteilung. „Herr Bogon ist der Grund, warum wir alle hier diesen Job machen“, sagt der Gastroenterologe.




„IMMER FREUNDLICH, IMMER GEDULDIG.“ DR. KREMMEL ÜBER BERNHARD BOGON.

Dr. Carmen Kremmel, Assistenzärztin der Gastroenterologie am Klinikum Ansbach.





Familienbande (von li. oben nach re. unten): Rebecca Eisen mit Urenkeln Sophie und Emma, Patrik Weigel, Sabrina Deininger mit Urenkel Louis, die Töchter Evelyn Bogon, Gabriele Schlipf und Bettina Weigel, Bernhard Bogon mit Frau Anna.





Dr. Thomas Leimbach
Chefarzt

Klinik für Gastroenterologie und Diabetologie
Klinikum Ansbach


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SEHR GEEHRTE LESERINNEN,
SEHR GEEHRTE LESER,



egal welche der drei folgenden Geschichten Sie lesen: Zeit ist darin immer der entscheidende Faktor. Damit ist zuallererst die Reaktionszeit der Menschen gemeint, die unseren drei Patienten am nächsten waren, als es ihnen schlecht ging. Und sie sogar in Lebensgefahr waren.

Die Ehefrau, der Sohn, die Tochter – sie alle haben schnell gehandelt. Den Rettungsdienst über die Telefonnummer 112 gerufen oder den Hausarzt verständigt. Manche haben sogar reanimiert, obwohl sie noch nie in so einer Situation waren.

Hätten sie es nicht getan, würden wir in dieser achten Ausgabe der ANgesicht nicht über ihre Ehemänner und Väter berichten. Wir hätten wahrscheinlich nicht mehr die Chance dazu.

In meiner Arbeit als pflegerische Stationsleitung im Klinikum Ansbach erlebe ich nahezu täglich Patienten, bei denen zu lange gewartet wurde. Und obwohl ich 2009 eine spezialisierte Weiterbildung zur Behandlung von Schlaganfallpatienten gemacht habe, können wir in vielen Fällen die verlorene Zeit nicht mehr aufholen.

Bei unklaren Schmerzen, Übelkeit oder Schwindel – bei Ihnen selbst oder Ihren Nächsten: Warten Sie nicht, wählen Sie den Notruf. Denn Sie können nichts falsch machen.

Nur Nichtstun wäre ein Fehler.

Ihre

Andrea Wolf

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